Familienstand, ledig oder verheiratet – Vielfalt an Lebensformen

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Ledig oder verheiratet
Sie sind unbestritten Kennzeichen unserer modernen Welt: die Individualisierung menschlicher Lebensläufe und die Pluralisierung menschlicher Lebensformen. Wir haben uns selbst zu entscheiden, wie wir leben wollen: alleine; mit einem Menschen; mit verschiedenen Partnern; in freien oder traditionellen Partnerschaften; in dauerhaften oder wechselnden Beziehungen; mit oder ohne Kinder; in hetero-sexueller oder homosexueller Partnerschaft; in ehelicher oder in nichtehelicher Lebensgemeinschaft; als Elternpaar oder Alleinerziehende; als Getrenntlebende, Geschiedene oder Wiederverheiratete.

Trotz aller Vielfalt in der Beziehungslandschaft: Unser Lebensstand wird bis heute über Ehe und Familie definiert. Allein der Begriff Familienstand geht wie bisher aus-schließlich von einer ehe- und familienzentrierten Gesellschaft aus, wie sie in dieser Eindeutigkeit schon lange nicht mehr existiert.

Die vier amtlich vorgegebenen Möglichkeiten des Familienstandes, ob ledig, verheiratet, geschieden oder verwitwet, nehmen allesamt Bezug auf die Ehe, so als hätte sie ihre alte Monopolstellung bis in unsere Zeit behauptet. Wer geschieden oder verwitwet ist – und das vielleicht schon seit Jahren und Jahrzehnten -, wird seinen Lebensstand immer noch von seiner einstigen Ehe ableiten lassen müssen, selbst wenn sie für sein gegenwärtiges Leben so gut wie keine Bedeutung mehr hat. Und beim Wort ledig sind gelegentlich kritische bis missbilligende Untertöne – von einsam über isoliert bis hin zu beziehungsunfähig – kaum zu überhören. Continued

Fehlende Übergangsrituale kennen lernen – Gründe fürs Heiraten

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Gründe fürs Heiraten
Was den Drehbuchschreibern eines gemeinsamen Lebensskriptes so ungemein zu schaffen macht, sind die fehlenden Übergangsrituale von einem Lebenskapitel zum anderen. In einer Zeit, in der Rituale und Symbole unter den jungen Leuten Hochkonjunktur haben – zumindest in der Welt der Musik, der Kunst, des Sportes, der Freizeit, der Medien -, wird dieser Mangel in der Beziehungswelt umso schmerzlicher vermisst. Zwar gibt es den Freundschaftsring für die noch lockere Beziehung, aber welche Zeremonie, welches Ritual, welche Leier begleitet beispielsweise das erste Zusammenziehen oder das spätere Zusammenbleiben? Eine Verlobung gibt es nur noch in seltenen Fällen.

Riten und Symbole jedoch markieren einen neuen Ausgangspunkt, messen Vereinbarungen einen verbindlicheren Charakter zu, verleihen der Beziehung einen anderen Status als vorher – nach innen wie nach außen. Ohne sie sind so manche Lebensformen weder sozial eindeutig bestimmt noch für die Betroffenen selbst klar geregelt. Wenn zwei zusammenziehen, was bedeuten die beiden einander? Sind sie füreinander wie bisher gute Freunde oder schon feste Partner? Verstehen sie sich als Lebensgefährten oder doch nur als Lebensabschnittspartner? Sind sie einander locker verbunden, so gut wie verlobt oder fast schon verheiratet? Leben sie alternativ zur Ehe oder vorbereitend auf die Ehe? Continued

Zwischen Jugendzeit und Erwachsensein – Veränderungen in den Lebensläufen

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Jugendzeit und Erwachsensein
Endlich 18 – endlich volljährig vor dem Gesetz, endlich erwachsen und damit voll geschäftsfähig! Aber endlich auch unabhängig, selbständig, eigenverantwortlich?

Die Wirklichkeit sieht vielfach anders aus. Galt bis vor einigen Jahren die Jugendzeit eher als eine Übergangsphase von der Kindheit zum Erwachsensein, so ist sie heute zu einer eigenständigen Lebensphase mit eigenen Regeln und Gesetzmäßigkeiten geworden. Bei vielen jungen Menschen erstreckt sie sich bis weit über das 30. Lebensjahr. Zwischen Jugendzeit (Adoleszenz) und Erwachsensein hat sich ein neuer Lebensabschnitt geschoben: das junge Erwachsenen-alter (Postadoleszenz).

Der Welt der Jugendlichen längst schon entwachsen, sind die jungen Heranwachsenden in die Welt der Erwachsenen noch lange nicht hineingewachsen. Ihre Position ist weniger eindeutig bestimmbar; die klassischen Statusübergänge früherer Zeiten sind weithin aufgehoben oder zumindest auf-geschoben. Markante Punkte, Ereignisse und Riten, die früher die Lebensphasen bestimmten und zugleich voneinander abgrenzten, sind immer seltener auszumachen. Continued

Vorwort zum Ratgeber Heiraten oder doch nicht

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Ratgeber Heiraten
Die Zeiten sind wohl endgültig vorbei, da alles gut über-schaubar, klar geregelt und wohl geordnet erschien. Alles ist im Fluss, alles verändert sich, nichts ist mehr so wie früher. Und nichts mehr im Leben ist selbstverständlich! Die Pluralisierung des Lebens geht mitten hinein in die Familien, in die Partnerschaften, in die Lebens- und Liebesformen der Menschen. Sie sorgt für größere Gestaltungsfreiheit, für überraschende Frei- und Spielräume, für partnerschaftliche Entscheidungsmöglichkeiten; sie löst aber auch verwirrende Unberechenbarkeit, spürbare Unsicherheit und irrationale Ängste aus. Vom Chaos der Liebe ist die Rede, das Kräfte freisetzt für die stürmische Liebe mit ihrer ganzen Dynamik zur Veränderung, das aber auch durch ihre Irrungen und Wirrungen zur Destabilisierung und Unbeständigkeit der Lieb- und Partnerschaften beiträgt.

Entsprechend buntscheckig und vielfältig zeigt sich die heutige Beziehungslandschaft: Man lebt allein im Apartment; mit Freunden und Freundinnen in der Wohngemeinschaft; in lockeren Wochenendbeziehungen ohne große Verpflichtungen; als Paar mit oder ohne staatlichem und kirchlichem Trauschein; in Erst-, Zweit- oder Drittehen – ganz neoklassisch mit meinen, deinen, unseren Kindern. Chaotische Verhältnisse – im wahrsten Sinne des Wortes? Continued

Keine klassische Familienlaufbahn mehr – Gründe fürs Heiraten

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Freilich ist die klassische Familienlaufbahn früherer Generationen – Kennen- und Liebenlernen, Verloben, Heiraten, gesicherte Existenz aufbauen, Familie gründen – gründlich durchbrochen. Die einst zwingende Abfolge Wenn Liebe, dann Ehe; wenn Ehe, dann Familie ist weithin aufgelöst. Ehe- und Familiengründung gehören nicht mehr zu den selbstverständlichen Eckdaten eines allgemein gültigen Lebensentwurfes, vielmehr sind sie nur eine Möglichkeit unter zahlreichen anderen. Jedoch bedeutet die Auflösung bindender Traditionen und verbindlicher Lebensmuster keinesfalls ungebundene Beliebigkeit in der Wahl und Gestaltung menschlicher Beziehungen.

Nach wie vor gibt es die Option Ehe und Familie mit erheblicher Wertschätzung und bevorzugter Präferenz. Aber sie steht in Konkurrenz zu anderen Lebenszielen und Lebensplänen, die sich an anderen Kriterien, wie z.B. berufliche Karriere oder ausgiebige Freizeit, ausrichten. Auch wenn die Ehefreudigkeit ungebrochen scheint, sind Ehe und auch Familie eine unter vielen Lebensformen.

An Ehe und Elternschaft werden heute bestimmte Voraussetzungen und Bedingungen gestellt, bevor sie vollzogen werden. Sie sind nicht mehr Schicksal, sondern Ergebnis persönlicher Entscheidung und Bejahung. Wie alle anderen Lebensformen stehen auch sie auf dem Prüfstand. Continued

Wachsende Perspektivlosigkeit – Veränderungen in den Lebensläufen

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Wachsende Perspektivlosigkeit
Es ist schon paradox: Da wollen junge Leute endlich er-wachsen werden, aber sie müssen vorerst noch Heranwachsende bleiben. An der Schwelle zwischen Jugendzeit und Erwachsensein bleibt ihnen der Status des Erwachsenen über einen größeren Zeitraum verwehrt. Länger als jemals zuvor sind sie (Noch-)Jugendliche. Gibt es ein Leben nach Abitur, Studium, Ausbildung? Und was erwartet uns dann? Auf solche oder ähnlich besorgte Fragen fallen die Antworten heute weniger zuversichtlich aus.

Zeiten des Übergangs von einer Lebensphase in die andere sind stets auch Krisenzeiten. Krise bedeutet im ursprünglichen Sinne Wendepunkt oder Scheidepunkt. Im Niemandsland des Nicht-Mehr und des Noch-Nicht stellen sich Gefühle der Unsicherheit, des Unbehagens und der Bedrohtheit ein. Wer Neuland betritt, verlässt den gesicherten Schutzraum seines bisherigen Lebens. An solchen Wendepunkten verändert sich das Leben. Es wird anders als vorher und ist damit zunächst voller Ungewissheit. Das Neue muss sich erst noch als tragfähig und beständig bewähren. Durch die Ausdehnung der Jugendzeit bis weit ins Erwachsenenalter strecken und verschärfen sich die vielfältigen und viel-schichtigen Probleme und Spannungen dieser Lebensphase. Continued

Vom Nestflüchter zum Nesthocker – heiraten oder nicht

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Heiraten oder nicht
Konnten in der unruhigen Zeit der siebziger Jahre die jungen Leute nicht früh genug aus dem Elternhaus ausziehen, so ist heute ein gegenläufiger Trend festzustellen: Die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen bleiben bedeutend länger zu Hause wohnen. Die Nesthocker der neunziger Jahre haben die Nestflüchter der siebziger Jahre abgelöst.

Es überrascht dabei nicht, dass nachweislich die Söhne länger zu Hause verweilen als die Töchter. Drei von vier 30-Jährigen im häuslichen Nest sind männlichen Geschlechtes. Die Mutter-Sohn-Beziehung ist für ihre innige Verbundenheit bekannt: Wen darf es da wundern, wenn vor allem die Söhne besonders ausdauernd und intensiv die Bequemlichkeit einer Rundum-Versorgung im Hotel Mama in vollen Zügen zu genießen gelernt haben. Offenbar schrecken die meisten jungen Männer in ihrem Privatleben davor zurück, ihre Selbstständigkeit zu erproben, während sie hingegen in den eher öffentlichen Lebensbereichen mit aller Macht ihre Unabhängigkeit durchzusetzen versuchen.

Kardinal wettert gegen Italiens Nesthocker
Bologna (epd). Der Kardinal von Bologna, Ciacomo Biffi,
hat das Nesthockerturn junger Italiener angeprangert. Continued

Die Notwendigkeit, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen

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Leben in die Hand zu nehmen
Die Notwendigkeit, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und sich an den verschiedenen Stationen und Kreuzungen ihres Lebensweges selbst entscheiden zu müssen, führt die Menschen aus einst vorgezeichneten und meist eng begrenzten Lebensbahnen heraus. Jeder Mensch hat seinen ganz persönlichen Weg zu gehen. Jedes Paar wird aus den bisherigen individuellen, oft grundverschiedenen Lebensläufen einen gemeinsamen Lebensweg finden müssen. Dabei sind manche Umwege und Seitenwege, mitunter auch Irrwege und Holzwege zurückzulegen, um auf den richtigen Weg zu gelangen.

Folglich sind die Lebens- und Liebesgeschichten der Menschen immer weniger berechenbar und vorhersehbar. Es gibt heute keine normalen Lebensläufe mehr. Auch die Liebesgeschichten der Menschen sprengen jede Normalität und erhalten zusehends eine ganz persönliche Handschrift. Eine bunte, teils verwirrende Vielfalt kennzeichnet die heutige Beziehungslandschaft.

Das Leben der Menschen scheint an Kontinuität und Stabilität zu verlieren. Es gleicht immer weniger einem Entwicklungsroman, eher einer Abfolge von Kurzgeschichten. Ähnlich ergeht es den menschlichen Beziehungen. Sie erweisen sich zunehmend als unbeständig, ja als überaus zerbrechlich. Kaum etwas hat noch unbestritten Bestand. Was einst Ewigkeitswert besaß, scheint heute modischen Trends unterworfen. In Zeiten der Beliebigkeit scheinen auch Liebesbeziehungen jederzeit austauschbar. Continued

Entwicklung und Wandel in den menschlichen Beziehungen – vollen Bericht

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Entwicklung menschlichen Beziehungen
Entwicklung und Wandel in den menschlichen Beziehungen hat es zu allen Zeiten gegeben. Zu keiner Zeit jedoch waren die Veränderungen so schnelllebig, so rasant und vor allem so radikal wie heute. Radikal bedeutet so viel wie an die Wurzel gehend. Und das tun viele Veränderungen in der Tat: Sie gehen an die Substanz, treffen den Lebensnerv, wühlen die Menschen in ihrem Innersten auf. Nicht Wandel und Veränderung an sich sind problematisch, vielmehr machen uns ihr Tempo und ihre Radikalität so sehr zu schaffen. Der beschleunigte Modernisierungsprozess hat längst den Alltag der Menschen erreicht und ihr Leben entscheidend beeinflusst. Bei vielen Menschen und Paaren hat er tief greifende Irritationen ausgelöst.

In früheren Zeiten zogen sich die Entwicklungen in Gesellschaft und Kirche, in Nachbarschaft und Gemeinde, in Ehe und Familie meist über viele Jahre und Jahrzehnte hin. Die Menschen lebten in begrenzten Lebensräumen, eingebunden und fest verankert in Tradition, Sitte, Brauchtum, Gewohnheit. Das Leben wiederholte sich beständig im Wochenzyklus von Alltag und Sonntag und im Jahreszyklus von Jahreszeiten und Jahresfestkreis. Die menschlichen Beziehungen waren eindeutig geprägt von herkömmlichen Werten und Normen sowie von fest umschriebenen Aufgaben und Rollen. Die Lebenswelt blieb für den Einzelnen überschaubar und zugleich durchschaubar. Continued

Zwischen alten Normen und neuen Formen – Gründe fürs Heiraten

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Gründe fürs Heiraten
Die verwirrende Vielfalt in der heutigen Beziehungslandschaft ist für junge Paare nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Die alten Vorbilder herkömmlicher Lebensformen haben zusehends an Anziehungskraft verloren, während die neuen Leitbilder moderner Beziehungsmodelle sich noch nicht etablieren konnten. Zwischen alten Normen und neuen Formen ist ein Raum größter Unsicherheit und Unentschlossenheit entstanden. Es fehlt ein allseits anerkannter Orientierungs- und Ordnungsrahmen.

Dennoch haben wir es bei aller Vielfalt keinesfalls mit Beliebigkeit zu tun. Die Lebensformen der Menschen sind stets ihre entsprechende Antwort auf bestimmte Lebensbedingungen und Lebensumstände. Sie bleiben so lange allgemeinverbindlich und gültig, wie sie von den Menschen als sinnvoll und zweckmäßig erachtet werden und ihre soziale Aufgabe und Funktion erfüllen. In gesellschaftlichen Übergangssituationen verlieren sie ihre fraglose Selbstverständlichkeit. Dann suchen gerade junge Frauen und Männer – oft verzweifelt genug – nach (neuen) tragfähigen Formen des Miteinanders, um unter den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (über-)leben zu können. Continued

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