Familienstand, ledig oder verheiratet – Vielfalt an Lebensformen

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Ledig oder verheiratet
Sie sind unbestritten Kennzeichen unserer modernen Welt: die Individualisierung menschlicher Lebensläufe und die Pluralisierung menschlicher Lebensformen. Wir haben uns selbst zu entscheiden, wie wir leben wollen: alleine; mit einem Menschen; mit verschiedenen Partnern; in freien oder traditionellen Partnerschaften; in dauerhaften oder wechselnden Beziehungen; mit oder ohne Kinder; in hetero-sexueller oder homosexueller Partnerschaft; in ehelicher oder in nichtehelicher Lebensgemeinschaft; als Elternpaar oder Alleinerziehende; als Getrenntlebende, Geschiedene oder Wiederverheiratete.

Trotz aller Vielfalt in der Beziehungslandschaft: Unser Lebensstand wird bis heute über Ehe und Familie definiert. Allein der Begriff Familienstand geht wie bisher aus-schließlich von einer ehe- und familienzentrierten Gesellschaft aus, wie sie in dieser Eindeutigkeit schon lange nicht mehr existiert.

Die vier amtlich vorgegebenen Möglichkeiten des Familienstandes, ob ledig, verheiratet, geschieden oder verwitwet, nehmen allesamt Bezug auf die Ehe, so als hätte sie ihre alte Monopolstellung bis in unsere Zeit behauptet. Wer geschieden oder verwitwet ist – und das vielleicht schon seit Jahren und Jahrzehnten -, wird seinen Lebensstand immer noch von seiner einstigen Ehe ableiten lassen müssen, selbst wenn sie für sein gegenwärtiges Leben so gut wie keine Bedeutung mehr hat. Und beim Wort ledig sind gelegentlich kritische bis missbilligende Untertöne – von einsam über isoliert bis hin zu beziehungsunfähig – kaum zu überhören.

Da schwingen noch die alten
Vorurteile mit: Sie hat keinen gefunden! oder Er hat niemanden abgekriegt!.
Die Suche nach neuen Lebensformen und ihre Praxis stoßen auch heute noch an gewisse Grenzen, an äußere Vorbehalte wie auch an innere Widerstände. Die traditionellen Lebensformen, in und mit denen Generationen bis in unsere Zeit aufgewachsen sind, haben auch die jungen Leute mehr oder weniger verinnerlicht. Selbst wenn sie Ehe und Familie einer kritischen Überprüfung unterziehen oder sie sogar für ihre gemeinsame Zukunft vorerst ablehnen, als Bezugspunkte spielen sie nach wie vor eine maßgebliche Rolle. So mancher Single muss sich fragen lassen, ob und warum er immer noch nicht den Partner fürs Leben gefunden habe. Nicht wenige Paare, die ohne Trauschein Zusammenleben, hören gelegentlich teils offen, teils diskret die Anfrage, wann es mit ihnen denn endlich so weit sei…

Die Betroffenen selbst träumen mitunter – heimlich und ein wenig verschämt – von einer standesgemäßen Hochzeit mit all den Feierlichkeiten, die ein solches Ereignis zum schönsten Tag des Lebens werden lassen. Der Single oder das Paar als leidenschaftliche Kämpfer gegen Ehe und Familie sind eher die Ausnahme. Das Alleinleben wird meist als eine zeitlich begrenzte Übergangsphase verstanden, ebenso wie das Zusammenleben ohne Trauschein eher als ein Durchgangsstadium zur endgültigen Lebensform Ehe angesehen wird. So ganz alternativ sind die neuen Lebensformen nun auch wieder nicht.